Fotos: Simon Decker
Reihenhofhaus

Silbern schimmert die Fassade in der Mittagssonne und lenkt die Blicke der Vorbeigehenden auf eine aus drei Baukörpern bestehende Gebäudekomposition.

Das 418 qm kleine Grundstück innerhalb einer bestehenden Wohnsiedlung, auf dem dieses besondere Reihenhaus im lippischen Lemgo entstanden ist, galt lange als nahezu unbebaubar – über 10 Jahre stand die Baulücke in einer Vierreihe leer. Die besonderen Herausforderungen der Grundstückssituation lagen in dem tortenstückähnlichen Zuschnitt mit bis zu 1,50 m starkem Quergefälle und den zwingenden Anbaulasten zu den Nachbargebäuden.

Gruppiert um einen trapezförmigen Innenhof, stehen sich zwei zweigeschossige Wohnriegel mit verbindender Ganzglasfuge und ein eingeschossiges Wirtschaftsgebäude mit Dachterrasse gegenüber. Zum Eingang des „Reihenhofhauses“ gelangen Bewohner und Besucher über einen kleinen Stichweg im Norden des Grundstückes. Hier, an der schmalsten Stelle der Reihenbebauung, fügt sich das Haus wie selbstverständlich ein.

Hinter der Eingangstür öffnen sich zwei Sichtachsen: auf die großzügige Küche mit Essbereich und den höhergelegenen Wohnbereich. In diesem Teil befinden sich auch, hinter einer großen flächenbündigen Spiegelfront, das Gästebad und die Garderobe. Über den Treppenraum gelangt man in das Obergeschoss mit dem Arbeits- und Gästezimmer sowie dem Hauswirtschaftsraum und gegenüberliegend dem Hauptschlafzimmer mit eigenem Badezimmer.

Alle Oberflächen im Inneren sind komplett aus Sichtbeton hergestellt. Sie bestehen aus Fertigteil-Wänden, geschalten Ortbetondecken und naturbelassenem Zementestrich mit transparenter Versiegelung. Der individuelle Charakter des Hauses entsteht durch den Betonflächen gegenübergestellte, metallische sowie verspiegelte Oberflächen. Als KfW-Effizienzhaus 55 gebaut, besitzen die beiden Wohngebäude ein dezentrales Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung. Mineralische Dämmung und ein Putzsystem in Besenstrichstruktur mit silberfarbenem Anstrich zeichnen die Fassade aus.

Hauptmerkmal des „Reihenhofhauses“ sind die vielfältigen innen- und außenräumlichen Qualitäten mit abwechslungsreichen Sichtverbindungen, die durch die Anordnung der einzelnen Gebäude mit ihren großen quadratischen Fensteröffnungen entstehen. Ein wesentliches gestalterisches Element dabei ist die rahmenlose Ganzglasfuge zwischen den Wohnriegeln. Sie verbindet und ist doch kaum sichtbar, so dass sich von innen und außen die getrennten Baukörper einzeln ablesen lassen. Im Inneren vermittelt die Glasfuge das Gefühl unter freiem Himmel durch ein offenes Treppenhaus zu gehen, aus dem sowohl der Vorgarten als auch der Innenhof einsehbar ist.

Dieser geschützte, nach Süden hin ausgerichtete Patio stellt das Zentrum des Gebäudeensembles dar. Besonders in den Sommermonaten schafft er ein atmosphärisches Refugium mit großzügigen Kiesflächen, einladenden Sitz- und Liegepodesten sowie mediterraner Flora aus Lavendel, Oleander, Gräsern und Olivenbaum. Zudem sorgt die ganztägig besonnte Dachterrasse mit hellem Sand, Whirlpool und Sonnenliegen für das passende Urlaubsgefühl.

Auftraggeber
privat
Standort
Lemgo
Fertigstellung
01/2018
bearbeitete Leistungsphasen
1 - 9
Bruttogeschossfläche
227 m2